Rot und Schwarz

Der nachfolgende Artikel stellt nur einen ersten Einstieg in das Thema Katzengenetik dar und ist bestimmt nicht ausführlich genug, um das Thema bestmöglich zu besprechen.

Eigentlich gibt es bei Katzen nur die Fellgrundfarbe rot und die Fellgrundfarbe schwarz. Natürlich werden bei dieser Aussage einige Katzenhalter sagen, nein, meine Katze ist aber weder rot, noch schwarz, sondern …

Dieses „Sondern“ trifft natürlich voll und ganz zu. Mehr dazu im Laufe des Artikels.

Wie jedes Lebewesen besteht auch die Katze aus Zellen. Jede dieser Zellen hat einen Zellkern. Dieser Zellkern beinhaltet das Erbgut der Katze. Das Erbgut der Katze besteht aus 38 Chromosomen1.

Chromosome der Katze:

Kätzin

Kater

Darstellung von Euro Cat Fancy

Nur die 6 südamerikanischen Felidenarten der Gattungen Leopardus und Lynchailurus haben einen Chromosomensatz von 36, alle übrigen 35 Arten, unter ihnen auch der Falbkatzenabkömmling Hauskatze, haben einen Chromosomensatz von 38.

Das Erbgut wird auch Genotyp2 bezeichnet. Das Erbgut ist für die äußere Erscheinung der Katze verantwortlich. Das äußere Erscheinungsbild wird auch Phänotyp3 genannt.

Die Geschlechtszellen der Katze (Eizellen) und des Katers (Samenzellen) enthalten im Gegensatz zu den übrigen Zellen des Körpers den doppelten, sogenannten diploiden4, Chromosomensatz. Denn verschmelzen Eizelle und Samenzelle geben beide Elterntiere die Hälfte des Chromosomensatzes an die Nachkommen weiter. Die Nachkommen haben so wieder einen Chromosomensatz aus 38 Chromosomen.

Passieren bei der „Weitergabe“ der Chromosomen an die Nachkommen „Fehler“, können Mutationen5 auftreten. Diese Mutationen verändern das Erscheinungsbild, den Phänotyp, der Katze. Die meisten Mutationen verschwinden aber bald wieder. Eine Erhaltung der Mutation kann durch gezielte Züchtung erfolgen.

Wie aber entscheidet sich, ob sich die Erbanlagen der Kätzin oder des Katers durchsetzen, wenn die Elterntiere je die Hälfte der Chromosomen an die Nachkommen weitergegeben haben?

Hier hat sich die Natur was einfallen lassen. Die Erbanlagen, auch Allele6 genannt, sind unterschiedlich „bewertet“. Eine Erbanlage ist dominant und während die andere Erbanlage rezessiv ist. Das dominante Allel wird sich in der Regel immer gegen das rezessive Allel durchsetzen.

Das X-Geschlechtschromosom – XX bei der Katze und XY beim Kater – sind für die Fellfarbe verantwortlich. Die Mutterkatze kann also eine von zwei Fellfarben vererben, der Kater kann nur eine Fellfarbe vererben.

Ein paar Beispiele:

Zwei schwarze Elterntiere werden immer nur schwarze Nachkommen haben, da beide Elterntiere nur die Fellfarben Schwarz weitervererben können. Genauso sieht es bei zwei roten Elterntieren aus. Sie werden nur rote Nachkommen haben.

Anders sieht es aus, wenn die Elterntiere unterschiedliche Fellfarben haben.

Ist die Kätzin rot und der Kater schwarz, werden rote Kater und zweifarbige Kätzinnen im Wurf vorkommen. Ist aber die Fellfarbe der Elterntiere umgekehrt, wird der Wurf aus schwarzen Katern und zweifarbigen Kätzinnen bestehen. Die zweifarbige Fellfarbe wird auch Schildpatt7 genannt.

„Bunte“ Nachkommen gibt es, wenn eine zweifarbige Kätzin sich mit einem schwarzen oder einem roten Kater paart. Der Wurf kann dann aus roten und schwarzen Katern und aus schwarzen Kätzinnen, zweifarbigen Kätzinnen und roten Kätzinnen bestehen.

Darstellung einer einfachen Vererbungstabelle:

Kater

X

Y

Kätzin

X

XX

XY

X

XX

XY

Jetzt wird der ein oder andere wieder auf das o. g. „Sondern“ zurückkommen.

Wie kommen die anderen Fellfarben als rot, schwarz und Schildpatt zustande?

Das Verdünnungs-Gen8 ist für die Intensität der Pigmentierung der Fellfarbe zuständig. Als rezessives Allel muss es von beiden Elterntieren vererbt werden, um z. B. zu blaugrauen, cremefarbenen oder pastellfarbenen Schildpatt-Nachkommen zu führen.

Das Agouti-Gen9 ist verantwortlich für die Fellzeichnung. Das Agouti-Gen ist ein dominates Allel, es setzt sich daher auf jeden Fall durch.

Für weiße Pfoten und weiße Flecken ist die Piebald-Scheckung10 verantwortlich. Die Piebald-Scheckung ist aber nicht verantwortlich für weiße Katzen. Weiße Katzen sind in aller Regel keine Albinos, sondern tragen das Gen für Leuzismus, das heißt, ihnen fehlen die Melanozyten, die Zellen, die den Farbstoff Melanin bilden in der Haut. Es hat die Allele W (Weißfärbung, dominant) und w (keine Weißfärbung, rezessiv). Das Gen für Weißfärbung bewirkt, dass die Katze ganz weiß ist. Katzen mit diesem Gen können blaue, hellbraune oder Augen in zwei unterschiedlichen Farben haben. Nicht nur bei blauäugigen Katzen ist Weißfärbung oft mit angeborener Taubheit verbunden. Außerdem treten bei ihnen ein Sehdefekt sowie oftmals Gleichgewichtsstörungen auf. (Quelle: Wikipedia)

Bei den Fellfarben nicht zu vergessen sind die Tabbys11. Die Tabby-Fellfarbe ist auf ein dominates Allel, das die Färbung in einem Teil der Haare verhindert, zurückzuführen.

Tabelle der Farbgene:

domi-
nantes Gen
Beschreibung  

rezes-
sives Gen

Beschreibung
A Agouti

Wildfarbe Tabby, die Haare sind gebändert in Schwarz und Gelblich-Braun
  a Non-Agouti

Haare ohne Bänderung, einfarbig
B Schwarz

schwarzes Pigment in den Haaren
  b Braun

dunkelbraunes Pigment – chocolate
   
 
  b1 Hellbraun

mittelbraunes Pigment – Cinnamon
Bm Schwarz

nur bei der Norwegischen Waldkatze
  bm Amber

nur bei der Norwegischen Waldkatze wirkt nur auf die schwarze Farbe (Eumelanin). Verändert Schwarz in verschiedene Bernsteintöne.
C

Vollpigmentierung – Vollfarbe

maximale Pigmentierung

  c Albino

weißes Fell, unpigmentierte (rosa) Iris
   
 
  ca Albino

weißes Fell, blaue Iris
   
 
  cb Burmese

dunkel sepiabraunes Pigment
   
 
  cs Siamese
hell sepiabraunes Pigment, dunkle Points, blaue Iris
D Nicht-Verdünnung

dichte Pigmentierung
  d Farbverdünnung

verdünnte Pigmentierung in den Haaren
Dm Dilution modifier

hellt verdünnte Farben auf
  dm Nicht-Dilution modifier

hellt verdünnte Pigmentierung nicht auf
I Silberung Inhibitorgen

unterdrückt Pigmentierung in Teilbereichen der Haare
  i normale Pigmentierung
O Rot

wandelt Schwarz in Rot, geschlechtsgebunden
  o normale Farbe, kein Rot
S Scheckung

variable weiße Flecken im Fell
  s normale Farbe, keine weiße Flecken im Fell
W Dominantes Weiß

weißes Fell, blaue Iris, orange oder odd-eyed, maskiert alle Farben, kann zur Taubheit führen.
  w normale Farbe, volle Ausprägung aller anderen Farben.
Wb Breitband

verbreitert das Agoutiband
  wb normale Bänderung des Agoutihaars
Quelle: Hannoverscher Katzen-Club e. V.

Neben der Fellfarbe wird auch die Felllänge durch das Erbgut der Elterntiere bestimmt. Das Allel „Felllänge kurz“ (L) ist dominant gegenüber dem Allel „Felllänge lang“ (l). Trotzdem ist es nicht unmöglich, dass ein Nachkommen von zwei kurzhaarigen Katzen langhaarig ist. Dann sind beide Elterntiere Träge des rezessiven Allels „Felllänge lang“.

Kater

XL

Yl

Kätzin

XL

XL XL

XL Yl

Xl

Xl XL

Xl Yl

Wer jetzt tiefer in das Thema Katzengenetik eintauchen möchte, kann sich zum einen durch die Tiefen des Internets bewegen oder sich z. B. bei Amazon.de nach Büchern zum Thema Katzengenetik umschauen.


Quellangaben und Informationslinks
1Chromosomen (von griechisch χρῶμα chrōma ‚Farbe‘ und σῶμα sōma ‚Körper‘; also wörtlich „Farbkörper“) sind Strukturen, die Gene und damit Erbinformationen enthalten. Sie bestehen aus DNA, die mit vielen Proteinen verpackt ist. Diese Mischung aus DNA und Proteinen wird auch als Chromatin bezeichnet.
Quelle: Wikipedia

2Der Genotyp (griech. genos „Gattung, Geschlecht“ und typos „Abbild, Muster“) oder das Erbbild eines Organismus repräsentiert seine exakte genetische Ausstattung, also den individuellen Satz von Genen, den er im Zellkern in sich trägt und somit den morphologischen und physiologischen Phänotyp bestimmt. Der Begriff Genotyp wurde 1909 von dem dänischen Genetiker Wilhelm Johannsen geprägt.
Quelle: Wikipedia

3Der Phänotyp oder das Erscheinungsbild ist die Summe aller Merkmale eines Organismus. Er bezieht sich nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische und psychologische Eigenschaften.
Quelle: Wikipedia

4Unter Diploidie (von griech. diploe = Doppelheit) wird in der Genetik das Vorhandensein zweier vollständiger Chromosomensätze als sogenannter doppelter Chromosomensatz verstanden. Jedes Chromosom liegt somit in doppelter Zahl vor, wobei bei den Gonosomen männlicher Individuen nicht zwischen den normalerweise unterschiedlichen X- und Y-Chromosomen unterschieden wird. Nachdem dies beim Menschen sowie bei vielen Tieren und Pflanzen der übliche Zustand ist, wird dies auch als Euploidie bezeichnet. Es gibt aber auch Ausnahmen, z. B. aufgrund von Generationszyklen oder verschiedener Geschlechter.
Quelle: Wikipedia

5Eine Mutation (lat. mutare „ändern“) ist eine dauerhafte Veränderung des Erbgutes. Der Fachbegriff wurde vom Botaniker Hugo de Vries geprägt. Sie betrifft zunächst nur das Erbgut einer Zelle, wird aber von dieser an alle eventuell entstehenden Tochterzellen weitergegeben. Bei mehrzelligen Lebewesen kann man unterscheiden zwischen Keimbahn-Mutationen, die an die Nachkommen weitergegeben werden können, und somatischen Mutationen, die in anderen Geweben stattfinden und daher nicht an die Nachkommen weitergegeben werden. Ein Organismus mit einer Mutation wird als Mutant oder Mutante bezeichnet.
Quelle: Wikipedia

6Ein Allel (gr. αλλήλων allélon „einander, gegenseitig“) bezeichnet eine mögliche Ausprägung eines Gens, das sich an einem bestimmten Ort (Locus) auf einem Chromosom befindet.
Quelle: Wikipedia

7Das Schildpattmuster besteht aus roten und schwarzen Fellpartien und kommt fast ausschließlich bei weiblichen Katzen vor. Bei Katern ist es sehr selten und geht fast immer mit Unfruchtbarkeit einher. Es wird in der Fachsprache auch Tortie (von engl. tortoise shell, Schildkrötenpanzer) genannt. Liegt gleichzeitig eine Tabby-Zeichnung vor, spricht man auch von Torbie (Zusammenziehung aus Tortie und Tabby).

Das Schildpattmuster kann auch im Zusammenhang mit dem Gen für Verdünnung vorkommen; die Farben sind dann blau und creme.

Eine dreifarbige Katze mit weiß-schwarz-rot gemustertem Fell wird von Züchtern als Tricolor, bei Perserkatzen als Calico, als Schildpatt mit weiß oder als Tortoise mit weiß bezeichnet. In Japan wird diese Färbung als Mi-Ke (jap. 三毛, „drei Felle“) bezeichnet.
Quelle: Wikipedia

8Als Dilute-Gen (engl. dilute „verdünnen“) oder Verdünnungsgen werden bei unterschiedlichen Tierarten verschiedene Gene bezeichnet, deren Mutationen zu einer Aufhellung der Intensität der Fellfarbe führen.
Quelle: Wikipedia

9Als agouti (auch tabby oder wildfarben) bezeichnet man die klassische Fellzeichnung von Hauskatzen, aber auch Fellzeichnung anderer Arten wie Degus, Kaninchen, Ratten, Mäusen oder Meerschweinchen. Der zugehörige Genlocus ist nach den Agutis benannt, südamerikanische Nagetiere, welche eine typische Ausprägung der Wildfarbe zeigen.
Quelle: Wikipedia

10Beim Piebaldismus, der auch als Albinismus partialis (partieller Albinismus) bezeichnet wird, handelt es sich um ein sehr seltenes autosomal-dominant vererbtes Syndrom, bei der es zur Ausbildung einer weißen Stirnlocke (Poliosis, in 90 % der Fälle), sowie einer umschriebenen Hypopigmentierung der Haut (Leukodermie), das heißt weißen Flecken (Maculae) vor allem im Gesicht, Hals, vorderen Oberkörper und der Flanken kommt. Innerhalb der Depigmentierungen sind häufig fleckförmige Hyperpigmentierungen zu finden.
Quelle: Wikipedia

11Tabby bezeichnet die typischen Fellzeichnungen von Katzen, wenn die Katze nicht einfarbig oder einfarbig mit weiß ist. Es werden dabei die Muster getigert, gestromt, getupft und getickt unterschieden.
Quelle: Wikipedia

Fellfarben der Katze

Euro Cat Fancy

Hannoverscher Katzen-Club e. V.

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Der Artikel stammt aus dem Blog Meine Katze und ich.

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